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Braucht Politik den weiblichen Blick? – Diskussion in der Volkshochschule

 „Es macht Spaß“ – darauf konnten sich alle aktiven Politikerinnen auf dem Podium einigen. „Es ist nie langweilig und es gibt immer neue Themen“.  Am  22. August 2018 diskutierten Dr. Irmtraud Kannen, Marlies Hukelmann, Christiane Priester und Jutta Klaus als Politikerinnen in der VHS über ihre Erfahrungen in der lokalen Politik.

Thema waren Gründe, die  es für Frauen gibt, in die Politik zu gehen, was sie dort hält und welche Herausforderungen es gibt.

Die Frauen sind im Stadtrat, Gemeinderat oder Landkreis vertreten. Parteilich gebunden oder auch nicht. Wie sie zur Politik gekommen sind, ist unterschiedlich, aber eins eint die 4 Frauen aus den verschiedenen politischen Richtungen: Sie wollen mitgestalten, sind an vielen Themen interessiert und haben Lust an der Herausforderung.

Moderiert wurde die Diskussion durch Dr. Christina Neumann, Gleichstellungsbeauftragte des Landkreises Cloppenburg, Kathrin Würdemann, Direktorin der Volkshochschule für den Landkreis Cloppenburg e.V. 20 Besucherinnen waren gekommen – ein rein weibliches Interesse.

Viel wurde über Hindernisse und Herausforderungen gesprochen, die Frauen in der Politik begegnen. Der Anteil von Frauen in der lokalen Politik liegt im Landkreis in allen Gremien und Gemeinden unter dem niedersächsischen Durchschnitt. Das kommt nicht von ungefähr: Alle Frauen haben die Erfahrung von heftigem Gegenwind  – von Männern und Frauen, auch von eigenen Parteigenossen. „Hast Du nichts Besseres zu tun?“ „Wer kümmert sich um deine Kinder?“ „Selbst Schuld – wenn Du Stress hast.“ „Was sagt denn dein Mann dazu?“. Das sind Fragen, die einem Mann, der in die Politik gehen will, niemals gestellt werden würden. Von Anfeindungen und Intrigen wussten sie zu berichten. Vom dicken Fell und Durchhaltevermögen, das frau haben muss. „Frauen müssen sich erklären, wenn sie in die Politik gehen.“

Einhellig war die Meinung auch im Publikum, dass es Frauen in der Politik geben soll. Frauen hätten durch ihre oft andere Lebenssituation einen anderen Blick und einen anderen Erfahrungshorizont als Männer. So kommen sie zu Themen, die Männern gar nicht einfallen würden. Zum Beispiel, ob Mütter das gleiche Sitzungsgeld bekommen für den Ausfall ihrer Arbeitskraft wie Landwirte. Oder ob ein Mittagstisch für Kinder notwendig ist. Oder wie breit ein Gehweg sein muss, damit Rollstuhlfahrer durchkommen.

Beklagt wurde die mangelnde Bereitschaft von Frauen, in die Politik zu gehen. Trotz Mentoringprojekten und gezielter Suche durch Parteien.  Aber wie ernst gemeint ist diese „gezielte Suche“ wirklich – diese Frage stellten sich einige Besucherinnen. Auch die Zeiten und der Respekt vor ehrenamtlich tätigen PolitikerInnen haben sich geändert:  „Vor 25 Jahren war es eine Ehre, gefragt zu werden, ob man in die Politik will. Heute gibt es Schwierigkeiten, überhaupt jemanden zu finden.“ erklärt Marlies Hukelmann aus eigener Erfahrung.  In Zeiten, wo Politiker und Parteien einen dramatischen Vertrauensverlust erleiden, wo ein Misstrauen und Vorbehalte groß sind, wo auch persönliche Anfeindungen an der Tagesordnung sind, ist es nicht mehr so prestigeträchtig wie früher, in die Politik zugehen.

Aber – auch da waren sich Publikum und Podiumsteilnehmerinnen einig, es sollten mehr Frauen in die Politik. Alle 4 sind begeisterte Politikerinnen. Und sie können Frauen nur auffordern, es ihnen nachzutun. „Frauen müssen sich strategisch aufstellen und gegenseitig mehr unterstützen. Und Männer müssen sich auf die Seite der Frauen stellen“ – so eine Besucherin, die diese Thematik wissenschaftlich untersucht hat. Aber, so zeigte es sich auch am Abend – von Seiten der Männer gibt es oft wenig Interesse.

Dr. Christina Neumann, Christiane Priester, Marlies Hukelmann, Jutta Klaus, Kathrin Würdemann. Es fehlt: Dr. Irmgard Kannen
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